DON BOSCOS VISIONEN ÜBER DIE HÖLLE

HIC SAPIENTIA EST : QUI HABET INTELLECTUM COMPUTET NUMERUM BESTIAE NUMERUS ENIM HOMINIS EST ET NUMERUS EIUS EST SESCENTI SEXAGINTA SEX

SANCTA ECCLESIA CATHOLICA

 

Don Boscos Visionen über die Hölle

Die Visionen des heiligen Don Bosco

Von Otto Zischkin

Aus dem Band 1 ”Don Boscos Visionen“ (Seite 30 – 62)

ISBN 3-85406-117-x Mediatrix –Verlag

Bestellmöglichkeit: Tel. 08671 – 12015 / Altötting

Berichterstatter ist Bon Lemoyne selbst. Er schreibt: «Wir haben hier getreulich aufgeschrieben, was wir ausführlich vom Ehrwürdigen gehört haben und was uns mündlich oder schriftlich von zahlreichen priesterlichen Zeugen mitgeteilt wurde. Wir haben alles in EINEM EINZIGEN BERICHT zusammengeordnet. Dies war eine schwierige Arbeit, weil wir mit mathematischer Genauigkeit jedes Wort, jede Verbindung und den Zusammenhang zwischen den einzelnen Szenen, die Aufeinanderfolge der verschiedenen Tatsachen, Unterweisungen, Vorwürfe und aller dargelegten, aber nicht erklärten Ideen, darunter vielleicht etwas Unverstandenes, wiedergeben wollten. Ist es gelungen? Wir können dem Leser versichern, dass wir mit größtem Fleiß nur das eine suchen: so getreu wie möglich die lange Ansprache Don Boscos wiederzugeben.»

Am 3. Mai 1868 erzählte Don Bosco: «Ich habe euch von dem schrecklichen Krötenungeheuer gesprochen, das mich in der Nacht des 17. April zu verschlingen drohte und wie mir bei seinem Verschwinden eine Stimme sagte: „Warum sprichst du nicht?“ Ich wandte mich nach der Seite, woher die Stimme gekommen war, und sah neben meinem Bette deutlich eine menschliche Gestallt. Da ich nun verstanden hatte, warum mir der Vorwurf gemacht wurde, fragte ich: „Was muss ich unseren Jungen sagen?“ – „Das, was du gesehen hast und was dir in den Träumen gesagt wurde. Was du noch weiter zu wissen gewünscht hast, wird dir in der kommenden Nacht offenbart werden!“ Damit verschwand die Erscheinung.

Ich dachte daher den ganzen folgenden Tag an die böse Nacht, die mir bevorstände, und als der Abend kam, konnte ich mich nicht entschließen, schlafen zu gehen. Ich blieb am Tisch sitzen und las bis Mitternacht. Der Gedanke erfüllte mich mit Schrecken, dass ich noch andere, furchterregendere Bilder sehen müsste. Schließlich tat ich mir Gewalt an und ging zu Bett. Um nicht so schnell einzuschlafen und aus Angst, dass mir meine Phantasie die bewussten Träume brächten, legte ich das Kopfkissen an die Wand und auf die Bettstelle, so dass ich fast im Bett saß. Aber schnell überfiel mich der Schlaf, ohne dass ich es merkte. Ich war zu müde. Siehe, da stand plötzlich in meinem Zimmer, nahe bei meinem Bett, der Mann von der vorgehenden Nacht. (Don Bosco nannte ihn öfter den Mann mit der Mütze.) Er sagte zu mir: „Steh auf und folge mir!“ Ich antwortete: „Um der Liebe willen, ich bitte dich, lass mich hier bleiben, ich bin wirklich zu müde. Sieh, schon seit einigen Tagen bin ich ganz erschöpft.“ Ich sagte ihm das; denn das Erscheinen dieses Mannes ist immer ein Vorzeichen für große Aufregung, Ermüdung und Schrecken. Doch jener antwortete mir. „Steh auf, wir haben keine Zeit zu verlieren!“ Da stand ich auf und folge ihm. Unterwegs fragte ich ihn: „Wohin willst du mich jetzt führen?“ – „Komm nur, das wirst du schon sehen“, antwortete er.

Er führte mich an einem Ort, vor dem aus sich eine weite Ebene ausbreitete. Ich schaute umher, aber ich sah nirgends die Grenze dieses Geländes, so weit dehnte es sich aus. Es war wirklich eine Wüste. Nichts Lebendiges befand sich dort. Man sah keine einzige Pflanze, keinen Fluss. Das gelbe, verdorrte Gras bot einen traurigen Anblick. Ich wusste weder, wo ich mich befand noch was ich tun sollte. Da sah ich auf kurze Zeit meinen Führer nicht mehr. Ich fürchtete, mich verirrt zu haben. Don Rua war nicht da, auch Don Francesia nicht, noch jemand anders. Da entdeckte ich den Freund wieder. Er kam mir entgegen. Ich atmete auf und fragte: „Wo bin ich?“ – „Komm mit mir und du wirst sehen!“ „Gut! Ich werde mit dir gehen!“

Er ging voran, ich hinterher. Wir sprachen kein Wort. Nach einem langen und traurigen Weg dachte Don Bosco, dass er durch die weite Ebene gehen müsste und er sagte sich: „Meine armen Zähne! Ich Armer, mit meinen geschwollenen Beinen ...“

Auf einmal öffnete sich vor mir eine Straße. Da brach ich das Schweigen und fragte den Führer: „Wohin müssen wir jetzt gehen?“ „Hierher“, antwortete er.

Wir gingen auf der Straße weiter. Sie war schön breit, geräumig und gepflastert.

Via peccantium complanata lapidipus, et in fine illorum inferi, et tenebrae, et poenae. Ecclesiasticus XXI. 11 – (Der Weg der Sünder ist mit Steinen gepflastert, ihr Ende ist die Hölle, Finsternis und Strafe.)

Zu beiden Seiten, hinter einem Graben, waren prächtige, grüne Hecken, die mit lieblichen Blumen bedeckt waren. Besonders die Rosen kamen überall zwischen den Blättern hervor. Auf den ersten Blick schien dieser Weg eben und bequem, und ich schlug ihn ein, ohne irgendeinen Verdacht zu schöpfen. Als ich aber weiterging, nahm ich wahr, dass er fast unmerklich nach unten führte. Obwohl ich unschlüssig war, ging ich auf ihm mit solcher Leichtigkeit, dass es mir schien, als würde ich durch die Luft getragen. Ich merkte sogar, dass ich vorankam, fast ohne meine Füße zu bewegen. Wir liefen schnell. Ich überlegte, dass ein so langer Weg später beim Heimkehren viel Mühe und Anstrengung kosten würde und sagte zu meinem Freund: „Wie sollen wir denn zum Oratorium zurückkommen?“ „Das braucht dich nicht zu bekümmern“, antwortete er mir. „Der Herr ist allmächtig und will, das du gehst. Er, der dich führt und der dich heißt voranzugehen, wird auch Mittel wissen, wie er dich zurückbringt.“

Die Straße ging immerzu abwärts. Wir hielten diesen Weg zwischen Blumen und Rosen weiter ein. Da sah ich hinter mir auf der gleichen Straße alle Jungen des Oratoriums. Sehr viele waren dabei, die ich noch niemals gesehen hatte. Ich fand mich mitten unter ihnen. Während ich sie beobachtete, gewahrte ich plötzlich, dass der eine oder andere hinfiel. Sie waren dann in einem schrecklichen Abhang gezogen, den man in einiger Entfernung gewahrte und von dem ich sah, dass er in einen Hochofen mündete. Ich fragte meinen Begleiter: „Was ist es, das die Jungen hinfallend macht?“

„Funes extenderunt in laqueum; juxta iter scandalum posuerunt. Ps 140,6 – (Sie spannten Schlingen, an dem Weg legten sie Verderben,“)

„Komm etwas näher heran!“ sagte er mir. Ich trat näher hinzu und sah, dass die Jungen zwischen viele Schlingen hindurchgingen. Einige waren dicht über den Boden gespannt, andere in Kopfhöhe. Man sah sie nicht. Es wurden viele Jungen beim Gehen von diesen Schlingen gefasst, ohne dass sie die Gefahr merkten. Im Augenblick, da sie gefesselt wurden, machten sie einen Sprung, dann lagen sie auf der Erde mit den Beinen in der Luft. Wenn sie hernach wieder aufgestanden waren, fingen sie an, ganz überstürzt auf den Abgrund zuzulaufen. Einer hatte den Kopf in der Schlinge, ein anderer um den Hals, einer die Hände, wieder einer einen Arm oder ein Bein, einer war an den Lenden gefesselt. Alle wurden sofort hinuntergezogen. Die Schlinge auf der Erde schien aus Werg (Flachs-, Hanfabfall) zu sein. Sie waren kaum sichtbar, Spinngeweben ähnlich, und sehen nicht aus, als könnten sie großes Unheil anrichten. Und doch bemerkte ich, dass auch Jungen, die in diese Schlingen gerieten, fast alle auf die Erde fielen. Ich war erstaunt, und der Führer sagte mir: „Weißt du, was das ist?“ „Nur ein wenig Werg“, antwortete ich.

„Es ist sozusagen nichts“, sagte er, „es ist nichts anderes als Menschenfurcht, das Bedachtsein auf die Achtung bei den Menschen.“

Wie ich nun sah, dass immer noch viele in die Schlingen gerieten, fragte ich. „Wie geht das nur zu, dass sie von diesen Fäden gefesselt werden?

Und wer zieht sie so?“

Und er: „Geh näher hinzu und pass auf, dann wirst du es schon sehen.“

Ich gab etwas acht und sagte dann: „Aber ich sehe nichts.“

„Du musst besser aufpassen“, sagte er wieder. Da nahm ich nun selbst eine von diesen Schlingen und zog sie an mich und fand, dass das Ende des Fadens nicht kam. Ich zog weiter und sah kein Aufhören des Fadens; dagegen fühlte ich, dass ich selbst gezogen wurde. Ich folgte dem Faden und kam an den Eingang einer schrecklichen Höhle. Dort blieb ich stehen; denn ich wollte nicht in das dunkle Loch hinein. Ich zog den Faden an mich und bemerkte, dass es wirklich gelang; aber es kostete gewaltige Anstrengung.

Und siehe da, als ich viel gezogen hatte, kam nach und nach ein schmutziges Ungetüm heraus, dass Schauder einflößte. Es hielt mit großer Kraft das eine Ende seines Seiles in seinen Krallen, an welchen alle jene Schlingen zusammen befestigt waren. Wenn einer in die Schlinge geriet, war es also dieses Ungeheuer, das ihn sofort an sich zog. Ich sagte mir: „Es ist verlorene Mühe, mit diesem hässlichen Ungeheuer seine Kraft messen zu wollen; denn das besiege ich doch nicht. Es ist besser man bekämpft es mit dem heiligen Kreuzzeichen und mit Stoßgebeten.“ Daher kehrte ich zu meinem Führer zurück. Der fragte mich: „Weißt du nun, wer es ist?“ – „Oh, und ob ich das weiß! Der Satan ist es, der diese Schlingen legt, um meine Jungen in die Hölle zu ziehen.“

Ich betrachtete die vielen Schlingen sehr aufmerksam. An jeder stand ihr Name geschrieben: die Schlinge des Stolzes, des Ungehorsams, des Neides, des sechsten Gebotes (der Keuschheit / Sexualität), des Diebstahls, der Unmäßigkeit, der Trägheit, des Zornes usw. Dann ging ich etwas zurück, um zu sehen, in welche Schlingen sich die meisten Jungen verfingen. Und ich sah, es waren Unwahrhaftigkeit, Ungehorsam und Stolz. An die Schlinge des Stolzes waren die anderen beiden Schlingen gebunden. Danach sah ich noch viele andere Schlingen, die eine große Verheerung anrichteten; aber nicht so groß, wie die ersten Schlingen. Ich beobachtete weiter und sah viele Jungen, die viel schneller liefen als die anderen und fragte: „Warum diese Eile?“ „Weil sie von den Schlingen der Menschenfurcht gezogen werden“, antwortete er. Ich sah noch aufmerksamer hin und gewahrte, dass zwischen diesen Schlingen hier und da von weiser Hand viele Messer angebracht waren, um die Schlingen durchschneiden und zerreißen zu können. Das größte Messer war für die Schlinge des Stolzes und stellte die Betrachtung dar. Ein anderes, ziemlich großes Messer, jedoch kleiner als das erste, bedeutet die geistliche Lesung, wenn sie gut gemacht wird. Es waren da auch zwei Schwerter. Das eine bezeichnete die Andacht zum Allerheiligsten Altarsakrament, besonders die häufige heilige Kommunion; das andere Schwert bedeutete die Andacht zur MUTTERGOTTES. Es war da auch ein Hammer oder die heilige Beichte und auch noch andere Messer als Symbol der verschiedenen Andachten zum heiligen Josef, zum heiligen Aloysius usw. usw. Mit diesen Waffen befreiten sich viele von ihren Schlingen, wenn sie hineingeraten waren, oder sie verteidigten sich damit, um nicht gefangen zu werden. In der Tat sah ich Jungen, die so zwischen diesen Schlingen hindurchgingen, dass sie niemals hineingerieten. Sie gingen daher, ehe die Schlinge fiel, oder wenn sie gingen, als die Schlinge gerade fiel, wussten sie sich zu wenden, so dass die Schlinge auf ihre Schulter fiel oder den Rücken oder hierhin und dorthin, aber ohne sie zu fangen.

Als der Führer sah, dass ich alles genügend betrachtet hatte, ließ er mich den Weg weitergehen, der an beiden Seiten mit Rosen begrenzt war. Jedoch nach und nach, je weiter ich fortschritt, wurden die Rosen der Hecken seltener, und lange Dornen wurden sichtbar. Schließlich konnte ich gar keine Rose mehr entdecken, soviel ich auch danach ausschaute. Zuletzt wurde die Hecke ganz dornig, von Hitze ausgedörrt und ohne Blätter. Es kamen aus dem wuchernden, trockenen Gestrüpp Ranken hervor, die am Boden dahinkrochen, ihn ganz dicht bedeckten und dermaßen mit Dornen übersät hatten, dass man nur mit großer Mühe einhergehen konnte. Wir waren in einer Talsenkung angekommen, deren Wände alles Umliegende verdeckten. Die Straße, die immer weiter abwärts führte, wurde schrecklich: aufgerissenes Pflaster, Gräben, Stufen, Geröll und runde Felsblöcke. Ich hatte alle meine Jungen aus den Augen verloren. Viele von ihnen hatten diesen gefährlichen Weg verlassen und sich anderswohin gewandt.

Ich ging weiter, und je weiter ich vorankam, desto rauer und abschüssiger wurde der Weg. Ein paar Mal rutschte ich aus und stürzte zu Boden. Dann blieb ich etwas sitzen, um ruhig zu atmen. Zuweilen stützte mich mein Führer und half mir wieder auf die Beine. Bei jedem Schritt knickten meine Gelenke ein, und es kam mir vor, als lösten sie die Schienbeine. Ich sagte meinem Führer: „Aber mein Lieber! Meine Beine können nicht mehr halten. So erschöpft wie ich bin, kann ich den Weg nicht weiter fortsetzen. „Der Führer ging jedoch nicht auf mein Wort ein. Er machte mir Mut und ging weiter. Als er aber schließlich sah, dass ich todmüde und in Schweiß gebadet war, führte er mich auf einen kleinen Treppenabsatz, den die Straße bildete. Hier setzte ich mich hin, holte tief Atem und ruhte etwas aus. Dabei sah ich über mir den Weg, den wir schon zurückgelegt hatten. Er schien mir schreckhaft steil aufwärts zu gehen und war voller Felsspitzen und losgelöster Steine. Ich blickte nach unten, auf den Weg, den ich noch gehen sollte und schloss die Augen vor Schauder.

Schließlich rief ich: „Lass uns umkehren, um der Liebe willen! Wenn wir weitergehen, wie können wir jemals ins Oratorium zurückkommen? Es ist unmöglich, hinterher diesen Steilhang wieder hinaufzuklettern!“ Der Führer antwortete mir energisch. „Nun, wo wir schon so weit sind, willst du nicht mehr mitgehen und allein bleiben?“ Bei dieser Drohung sagte ich mit kläglicher Stimme. „Wie könnte ich ohne dich zurück- oder weitergehen?“

„Nun gut also folge mir“, sagte der Führer. Darauf erhob ich mich, und wir stiegen den Weg weiter hinab. Die Straße wurde immer schrecklicher und war schließlich so abschüssig, dass man kaum noch aufrecht stehen konnte. Und siehe da, in diesem Abgrund, der in ein dunkles Tal auslief, tauchte ein gewaltiges Gebäude auf, das zu unserem Weg hin ein sehr hohes, geschlossenes Tor hatte. Endlich gelangten wir unten im Abgrund an. Eine beklemmende Hitze drohte mich zu ersticken. Dicker, fast grüner Rauch erhob sich über jenen Mauern. Dazwischen sprangen blutrote Flammen auf. Ich schaute an den Mauern hinauf, sie waren höher als ein Berg. Don Bosco fragte den Führer: „Wo sind wir? Was ist das?“ Er antwortete: „Lies die Inschrift über dem Tor und du wirst daraus erkennen, wo wir uns befinden.“

Ich schaute hin: Über dem Tor stand geschrieben: Ubi non est redemptio – (wo es keine Erlösung gibt). Ich erkannte, dass wir vor den Toren der Hölle standen. Der Führer ging mit mir um die Mauern dieser schrecklichen Stadt herum. Von Zeit zu Zeit, in regelmäßigen Abständen, sah man so ein eisernes Tor wie das erste. Zu Füßen eines halsbrecherischen Absteigens und über allen Toren war eine Inschrift, die jedes Mal verschieden lautete: Discedite a me, maledicti, in ignem aeternum, qui paratus est diabolo et angelis eius … (hinweg von mir, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer, das dem Satan und seinem Anhang bereitet ist) Matth. 25,41. Omnis ergo arbor, quae non facit fructum bonum excidetur et in ignem mittetur (jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen) Matth. 3,10.

Ich nahm meinen Notizblock, um diese Inschriften abzuschreiben; aber der Führer sagte: „Halt! Was machst du da?“ – „Ich schreibe mir die Inschriften ab.“ – „das ist nicht nötig; sie stehen alle in der Heiligen Schrift, und einige hast du ja selbst unter deinen Säulenhallen anbringen lassen.“ Bei diesem Anblick wollte ich gern zum Oratorium zurückkehren, und machte schon einige Schritte dazu. Der Führer wandte sich aber nicht um. So gingen wir weiter. Er führte mich durch eine ungeheure tiefe Schlucht, und schließlich fanden wir uns neuerdings unten an den abschüssigen Weg, den wir heruntergekommen waren, und zwar vor dem ersten Tor. Da auf einmal wandte sich mein Führer um. Sein Gesicht war düster, und er runzelte die Brauen. Er gab mir ein Zeichen mit der Hand, etwas zurückzutreten, und sagte: „Pass auf!“

Ich zitterte, blickte auf und sah in einer großen Entfernung auf den steilen Weg jemanden, der ganz überstürzt heruntersauste. Wie er immer näher kam, versuchte ich sein Gesicht zu beobachten, und schließlich erkannte ich in ihm einen meiner Jungen. Seine zerzausten Haare sträubten sich auf seinem Haupte, und zum Teil flogen sie rückwärts durch die Luft. Die Arme streckte er nach vorn, wie einer, der sich vor dem Ertrinken retten will. Er wollte anhalten, konnte es aber nicht. Er schlug mit den Füßen gegen die vorspringenden Steine, und durch dieses Stolpern stürzte er noch schneller herab. Ich schrie: „Laufen wir hin, wir wollen ihn festhalten und ihm helfen!“ Dabei streckte ich meine Hände nach ihm aus. Der Führer aber sagte: „Lass das!“ – „Warum soll ich ihn nicht aufhalten?“ – „Weißt du nicht, wie schrecklich die Rache Gottes ist? Glaubst du, du könntest einen anhalten, der vor dem brennenden Zorn des Herrn flieht?“

Da wandte der Junge den Kopf zurück und schaute mit fiebernden Augen, ob der Zorn Gottes ihn noch immer verfolgte. Unterdessen sauste er bis unten hin und schlug gegen das eherne Tor, als wenn er auf seiner Flucht keine bessere Bleibe gefunden hätte. Da fragte ich: „Warum schaute der Junge sich so entsetzt um?“ – „Weil der Zorn Gottes durch alle Tore der Hölle hindurchgeht und ihn selbst noch mitten im Feuer quält.“

In der Tat, von dem Aufschlag sprang das Tor auf. Es dröhnte, seine Riegel gingen auseinander, und hinter ihm öffneten sich gleichzeitig mit einem ohrenbetäubenden Donner zwei, zehn, hundert, tausend andere Tore, die von dem Aufschlag des Jungen aufgestoßen wurden, der von einem unsichtbaren, unwiderstehlichen, sehr schnellen Sturmwind fortgetragen wurde. Alle diese ehernen Tore, von denen eines immer dem anderen gegenüberlag, wenn sie auch weit voneinander getrennt waren, blieben einen Augenblick offen. Da sah ich weit hinten etwas, das wie die Öffnung eines Hochofens aussah. Und als der Junge dort hineinstürzte, sprangen Feuermassen auf. Die Tore fielen wieder zu, genau so schnell, wie sie aufgegangen waren. Ich nahm meine Brieftasche, um mir den Vor- und Zunamen jenes Unglücklichen aufzuschreiben, aber der Führer fasste meinen Arm und gebot mir: „Halt passe weiter auf!“ Da gewahrte ich etwas neues. Ich sah drei andere Jungen aus unseren Häusern jenen Abstieg herunterstürzen. Es war, als kollerten drei Steine, einer hinter dem anderen sehr schnell herunter. Die Jungen streckten die Arme von sich und schrien laut vor Entsetzen. Sie kamen unten an und schlugen gegen das erste Tor. In diesem Augenblick erkannte Don Bosco alle drei. Das Tor öffnete sich hinter ihnen, und die anderen tausend ebenfalls. Die Jungen wurden durch den langen Gang hindurchgetrieben. Man hörte einen lang gezogenen, höllischen Lärm, der sich immer mehr entfernte. Die jungen verschwanden, und die Tore schlossen sich wieder. Viele andere gerieten so nach und nach dorthin. Einen armen Jungen sah ich hinabstürzen, der von einem schlechten Kameraden mit Püffen getrieben wurde. Manche sausten allein hinab, andere mit Gefährten. Manche kamen Arm in Arm, andere, wenn sie sich auch nicht eingehakt hatten, waren Seite an Seite. Alle hatten ihre Sünde auf der Stirn geschrieben. Ich rief sie voll Kummer an, während sie hinabstürzten. Die Jungen hörten mich aber nicht. Sie schlugen gegen die Höllentore, diese öffneten sich und schlossen sich wieder, und es folgte eine Grabesstille.

„Da hast du die Hauptursachen der Verdammnis“, sagte der Führer zu mir. „Es sind die schlechten Kameraden und Bücher und die perversen Gewohnheiten. Die Schlingen, die du vorher gesehen hast, zogen sie in den Abgrund. „Als ich so viele stürzen sah, sagte ich verzweifelt: „Aber so arbeiten wir ja umsonst in unseren Häusern, wenn doch so viele Jungen ein solches Ende haben.“ Der Führer antwortete mir. „Das ist ihr augenblicklicher Zustand. Wenn sie stürben, kämen sie ohne weiteres hierher.“

„Oh, dann will ich mir ihre Namen aufschreiben, um sie zurechtweisen und sie auf den Weg zum Paradies zu bringen.“

„Ja, glaubst du denn, dass gewisse von diesen sich bessern würden? Für den Augenblick würden sie erschrecken; aber dann würden sie darüber hinweggehen und sagen: das ist ja nur ein Traum, und sie würden es noch schlimmer treiben als zuvor. Andere würden, da sie sich entdeckt sehen, zu den Sakramenten gehen, aber dies käme dann doch nicht von Herzen und wäre nicht verdienstvoll, weil es nicht gut gemacht wird. Manche würden aus einer augenblicklichen Furcht vor der Hölle beichten; aber sie würden ihr Herz doch nicht frei machen von der Anhänglichkeit der Sünde.“ – „Also gibt es für diese Unseligen keine Rettung mehr? Gib mir einen besonderen Rat, damit sie nicht verloren gehen.“

„Nun sie haben die Obern; ihnen sollen sie gehorchen. Sie haben die Regeln; die sollen sie beachten. Sie haben die Sakramente; die sollen sie empfangen.“

Da stürzten wieder eine Schar Jungen hinab, und die Tore standen einen Augenblick offen. Der Führer sagte: „Komm, geh du auch hinein!“

Ich wich entsetzt zurück. Ich war ganz versessen darauf, ins Oratorium zurückzukommen, um die Jungen zu ermahnen und aufzuhalten, damit keine weiteren verloren gingen. Aber der Führer bestand auf seinen Willen. „Komm, hier kannst du allerhand lernen. Willst du lieber allein gehen oder soll ich bei dir bleiben?“ Das sagte er, damit ich meine Schwäche einsehe und zugleich die Notwendigkeit seines gütigen Beistandes erkannte. Ich antwortete ihm. „Hier, allein, an diesem Ort des Schreckens? Ohne deine wohlwollende Hilfe? Wer soll mir den Rückweg zeigen?

Plötzlich wurde ich ganz mutig bei der Erwägung: ehe man in die Hölle kommt, muss man gerichtet sein, und das bin ich noch nicht. Daher sagte ich ganz entschlossen: „Gehen wir nur hinein!“

Wir kamen in einen nicht breiten, schrecklichen Gang. Es ging voran, schnell wie der Blitz. Über jedem der Tore leuchtete im matten Glanz eine drohende Inschrift: Ibunt impii in ignem aeternum – (Die Gottlosen werden in das ewige Feuer kommen.) Die Mauern rund herum waren mit Inschriften bedeckt. Ich bat meinen Führer, sie lesen zu dürfen, und er sagte: „ Lies nur, soviel du Lust hast.“ Ich sah nun alles an. Irgendwo sah ich geschrieben: „Dabo ignem in carnes eorum ut comburantur in sempiternum“ – (Ich werde ihren Leibern Feuer geben, damit sie ewig brennen). „Cruciabuntur die ac nocte in seacula saeculorum“ (Sie werden gequält, Tag und Nacht in alle Ewigkeit). An einer Stelle stand geschrieben: „Hic universitas malorum per omnia saecula seculorum“ (Hier ist die Gesamtheit der Bösen durch ewige Zeiten) – „Nullus est hic ordo sed sempiternus horror inhabitat“ (Hier wohnt keine Ordnung, sondern ewiger Schrecken) Job 10,22. – „Fumus tormentorum suorum in aeternum ascendit“ (Der Dunst ihrer Qualen erhebt sich auf ewig). – „Non est pax impiis“ (Für die Gottlosen gibt es keinen Frieden). – Clamor et stridor dentium“ (Heulen und Zähneknirschen) Matth. 8,12.

Während ich herumging und die Inschriften las, kam der Führer, der mitten im Hof geblieben war, zu mir und sagte: „Von hier an kann keiner mehr einen Kameraden haben, der ihm beisteht, oder einen Freund, der ihn tröstet, noch ein Herz das ihn liebt. Hier gibt es keinen mitleidigen Blick mehr, kein wohlwollendes Wort. Wir haben die Grenzen überschritten. Und du, willst du nur sehen oder auch etwas probieren?“ – „Ich will nur sehen“, sagte ich. „Nun, dann komm mit“, fuhr der Freund fort. Er nahm mich bei der Hand und führte mich zu der Pforte, die er öffnete. Sie führte in einen Gang. In diesem befand sich hinten ein großes Fenster. Es war mit einem großen Kristallglas vom Fußboden bis oben zum Gewölbe hin verschlossen, man konnte aber hindurchsehen. Ich ging einen Schritt vor und blieb plötzlich stehen, weil mich ein unbeschreiblicher Schrecken packte. Meinen Augen bot sich etwas wie ein ungeheurer, kesselartiger Abgrund, der in Schluchten auslief; die bis in das Innere der Berge vordrangen. Diese Untiefe, die Schluchten, alles war voll Feuer; aber nicht wie wir es auf Erden sehen, sondern da drinnen glühte alles wegen der großen Hitze in weißer Glut. Das Gemäuer, die Gewölbe, das Pflaster, Eisen, Steine, Holz, Kohlen; alles war weiß und glänzend. Sicherlich war dieses Feuer heißer als 1000° Grad. Nichts wurde aber eingeäschert oder vom Feuer verzehrt. Ich kann diese Höhle überhaupt nicht so beschreiben, wie sie in ihrer ganzen schrecklichen Wirklichkeit war. „Preparata est enim ab heri Thopheth, a rege praeparata, profunda, et dilatata. Nutrimenta eius, ignis et lignis multa: fletus Domini sicut torrens sulphuris succendens eam. Isaias XXX. 33 – (Bereitet ist vom König längst eine Feuerstätte tief und weit. Da brennt Feuer und viel Holz. Der Hauch des Herrn steckt es in Brand gleich einem Schwefelregen).

Als ich da stand und ganz erstaunt schaute, eilte aus einem Gang in äußerster Geschwindigkeit ein Junge. Erst schien er nichts zu merken; dann aber stieß er einen schrillen Schrei aus, als wenn er in einen See von flüssigen Erz fiele. Er stürzte mitten hinein, wurde weiß wie das übrige und verharrte unbeweglich. Einen Augenblick hörte man noch das Echo seiner brechenden Stimme. Voll Grauen betrachtete ich den Jungen noch eine Weile, und mir schien, es war einer von meinen Jungen aus dem Oratorium.

„Aber ist es nicht einer von meinen Jungen? Fragte ich den Führer. „Ist es nicht der und der?“ – „Ja, sicher“, antwortete er mir.

„Aber warum ändert er seine einmal angenommene Lage nicht? Warum ist er so glühend weiß und verbrennt nicht?“

Und er: „Du wolltest sehen, darum lass jetzt das Reden. Schau hin und du wirst sehen. Übrigens „Omnis enim igne salietur et omnis victima sale salietur“ – (Jeder wird mit Feuer gesalzen und jedes Opfer mit Salz gewürzt) Mark. 9,48.

Kaum sehe ich wieder hin, da kommt ein anderer Junge mit verzweifelter Heftigkeit und größter Geschwindigkeit und stürzt in den gleichen Abgrund. Es war einer vom Oratorium. Kaum war er hineingefallen, da rührte er sich nicht mehr. Auch hatte er einen einzigen, herzzerreißenden Schrei ausgestoßen, der sich mit dem letzten Nachhall desjenigen vermischte, den der Junge von sich gab, der vorher hineingestürzt war. Danach kamen geradeso andere Jungen hinein. Ihre Zahl wurde immer größer. Alle stießen denselben Schrei aus und wurden unbeweglich und glühend, wie die vorhergehenden.

Ich sah, dass der erste steif geworden war, indem er eine Hand und einen Fuß in die Luft streckte, wie wenn er daran aufgehängt wäre. Der zweite war bis zum Boden gebeugt. Einer hatte die Füße in der Luft, ein anderer das Gesicht nach unten. Manche waren wie aufgehängt und hielten sich nur mit einem Fuß und einer Hand. Manche saßen oder lagen. Einige waren an einer Seite angelehnt, standen oder knieten und hatten die Hände in ihren Haaren verkrampft. So waren nun viele jungen beieinander wie Statuen, in Stellungen, von denen eine schmerzvoller war als die andere. Es kamen immer noch mehr Jungen in den Glutofen; zum Teil kannte ich sie, manche aber waren mir unbekannt. Da fiel mir ein, was in der Bibel steht, dass man so die ganze Ewigkeit hindurch bleiben wird, wie man in die Hölle stürzt. „Lignum in quocumque loco ceciderit, ibi erit“ – (Wohin der Baum fällt, da bleibt er liegen).

Mein Entsetzen wurde immer größer. Ich fragte den Führer: „Aber wissen denn die, welche mit solcher Geschwindigkeit heraneilen nicht, dass sie hierher kommen?“

„Oh, sicher wissen sie, dass sie ins Feuer kommen. Sie wurden tausendmal zurechtgewiesen; aber sie laufen, und zwar freiwillig, weil sie die Sünde, die sie nicht verabscheuen, nicht lassen wollten, weil sie die Barmherzigkeit Gottes, die sie unaufhörlich zur Buße rief, verachteten und zurückwiesen. Dann wird die göttliche Gerechtigkeit wach, sie drängt, folgt und verfolgt sie, und sie können dann nicht mehr anhalten, bis sie an diesem Orte angekommen sind.“

„Oh, was müssen diese Unglücklichen für eine Verzweiflung haben, da ihnen die Hoffnung fehlt, wieder hinauszukommen!“ sagte ich. „Willst du die innere Wut und Raserei ihrer Seelen kennen lernen? Dann tritt etwas näher heran“, sagte der Führer.

Ich ging einige Schritte näher zum Fenster und sah, dass viele dieser Elenden sich gegenseitig schlugen und einander starke Verwundungen beibrachten. Sie bissen sich wie wütende Hunde. Andere zerkratzten sich das Gesicht, sie rissen sich die Hände auf, zogen sich das Fleisch ab und schleuderten es voll Ekel in der Luft. In diesem Augenblick wurde auf einmal der obere Teil der Hölle wie aus Glas. Man sah ein Stück Himmel hindurchleuchten und die strahlenden Gesichter der Kameraden, die auf ewig gerettet waren. Da bebten die Verdammten in heftigem Neid und keuchten, denn diese Gerechten hatten sie vormals verspottet und ausgelacht. „Peccator videbit et irascentur; dentibus suis frement et tabescet“(Der Sünder sieht und knirscht mit den Zähnen und vergeht im Kummer). Ich fragte den Führer: „Sag mir, warum höre ich denn keine Stimme?“ – „Tritt näher heran“, antwortete er mir. Ich ging bis dicht an das Glas des Fensters und hörte, dass manche aufheulten. Sie krümmten sich vor Weinen. Manche fluchten oder beteten zu den Heiligen. Es war ein lautes und wirres Durcheinander von Rufen und Schreien. Daher fragte ich meinen Freund: „Was sagen sie? Was schreien sie?“

Er antwortete: „Sie denken an das Los ihrer guten Kameraden, und da müssen sie bekennen: „Nos insensati! Vitam illorum aestimabamus insaniam et finem illorum sins honorare. Ecce quomodo computati sunt inter filios Die, et inter sanctos sors illorum est: ergo erravimus a via veritatis“ – (Wir Toren! Für Unsinn hielten wir ihr Leben und ihr Ende für ehrlos. Seht, wie sie nun unter die Kinder Gottes gezählt sind und zu den Heiligen gehören). Darunter rufen sie: „Lassati sumus in via iniquitatis et perditionis. Erravimus per vias difficiles, viam autem Domini ignoravimus. Quid nobis profuis superbia? …Transierunt omnia illa tamquam umbra“(Müde sind wir geworden auf dem Weg der Sünde und des Verderbens. Wir irrten auf schlechten Straßen herum, doch den Weg des Herrn erkannten wir nicht. Was nützt uns unser Hochmut? Wie Schatten ging das alles vorüber) Weisheit 5,4 ff.

Das sind die Klagelieder, die hier die ganze Ewigkeit über erschallen werden. Aber umsonst das Schreien, umsonst die Anstrengung, umsonst das Weinen.“ „Omnis dolor irruet super eos“ – (Alle Qual wird über sie hereinbrechen).

„Hier gibt es keine Zeit mehr; hier ist die Ewigkeit.“

Während ich voller Schrecken viele meiner Jungen in diesem Zustand betrachtete, kam mir plötzlich der Gedanke: Wie ist es nur möglich, dass diese alle hier verdammt sind? Diese Jungen waren noch gestern Abend im Oratorium, und zwar am Leben. Mein Freund sagte: „Die du hier siehst, sind alle tot, was die göttliche Gnade angeht, und wenn sie jetzt stürben und sich nicht änderten, wären sie verdammt. Aber verlieren wir keine Zeit. Vorwärts!“

Von da an gingen wir dann durch einen Gang, der abwärts zu einem tiefen unterirdischen Raum führte. Von da aus gelangten wir in eine andere Höhle, über deren Eingang geschrieben stand: „Vermis eorum non moritur, et ignis non extinguitur … Dabit Dominus omnipotens, ignem et vermes ein carnes eorum, ut urantur et sentiant usque in sempiternum“ – (Ihr Wurm stirbt nicht und das Feuer erlischt nicht … Mark. 9,43 u. 45,47… Der allmächtige Herr wird Feuer und Würmer ihren Leibern geben, dass sie brennen und leiden auf ewig) Judith XVI, 17.

Hier sah man die Gewissensbisse. Wie heftig waren sie bei denen, die in unseren Häusern erzogen worden waren!

Sie erinnerten sich an all die einzelnen nicht nachgelassenen Sünden und an die gerechte Verdammnis. Es fiel ihnen ein, dass sie tausend Hilfen, sogar außerordentliche, hatten, um sich zum Herrn zu bekehren, um im Guten beharrlich zu sein um das Paradies zu erlangen. Sie erinnerten sich der vielen Gnaden, die MARIA ihnen versprochen, angeboten und verliehen hatte, denen sie aber nicht entsprochen hatten. Sich leicht retten zu können und doch unwiderruflich verloren zu sein. Sie dachten an die vielen guten Vorsätze, die sie gemacht, aber nicht gehalten hatten. Ach! Mit guten, aber unwirksamen Vorsätzen ist ja der Weg zu Hölle gepflastert, sagt das Sprichwort. Und da sah ich all die Jungen vom Oratorium wieder, die ich kurz zuvor in dem Glutofen gesehen hatte. Von denen einige mir jetzt zuhören, einige sind schon hier bei uns gewesen und viele kannte ich nicht. Ich trat etwas näher hinzu und sah, dass alle über und über voller Würmer und mit anderen ekelhaften Tieren behaftet waren. Diese nagten und zehrten ihnen am Herzen, in den Augen, Händen, Beinen, Armen und überall. Es war jammervoll, dass man es mit Worten überhaupt nicht wiedergeben kann. Die Jungen blieben unbeweglich, jeder Belästigung ausgesetzt, und konnten sich nicht im geringsten wehren. Ich trat noch dichter an sie heran, damit sie mich sähen. Dabei hoffte ich, mit ihnen sprechen zu können und irgendetwas von ihnen zu hören. Aber niemand sprach von ihnen und es sah mich auch keiner an. Da fragte ich den Führer, warum das so sei, und erhielt die Antwort, dass sie in der anderen Welt keine Freiheit mehr hätten. Jeder leidet dort die ganze Strafe, die Gott ihm auferlegt hat, und bleibt so und kann nicht geändert werden. Er fügte noch hinzu: „So, nun musst du auch mitten ins Feuer, welches du gesehen hast!“ „Nein, o nein!“ rief ich entsetzt. „Wenn man in die Hölle kommt, muss man zuerst ins Gericht. Da war ich aber noch nicht. Deshalb will ich auch nicht in die Hölle.“

„Sag mal“, gab mir der Freund zu überlegen, „willst du nicht lieber in die Hölle gehen und deine Jungen befreien als draußen bleiben und deine Jungen in solcher Qual lassen?

Ich geriet durch diese Worte ganz außer Fassung und sagte: „Oh! Meine Jungen, die habe ich gerne und will, dass alle gerettet werden! Aber können wir es nicht so einrichten, dass weder ich noch die anderen dort hinein müssen?“

„Wohl! Du hast noch Zeit und sie auch; du musst nur alles tun, was du kannst.“ Da wurde mir das Herz weit, und ich sagte mir: Die Arbeit macht mir nicht viel aus, wenn ich nur meine überaus lieben Jungen aus solcher Marter befreien kann.“ „Also komm mit hinein“, fuhr der Freund fort, „und betrachte die Güte und Allmacht Gottes, die liebevoll tausend Hilfen anbietet, um deine Jungen zur Buße zu bewegen und sie vor dem ewigen Tode zu retten. „Er nahm mich bei der Hand, um mich in die Höhle zu bringen. Doch beim ersten Schritt befand ich mich unversehens in einem prächtigen Saal mit kristallenen Türen. Von diesen hingen in regelmäßigen Abständen weite Schleier, die ebenso viele Verbindungsräume zur Hölle hin verdeckten. Der Führer zeigte auf einen dieser Vorhänge. Auf demselben stand geschrieben: SECHSTES GEBOT (Anm.: Alle Sünden gegen die Keuschheit / Reinheit / Sexualität [Selbstbefriedigung]! Vor und außerhalb des Ehebundes zwischen Mann und Frau). Und er sagte: „Die Übertretung dieses Gebotes ist die Ursache, dass so viele Jungen auf ewig verloren gehen.“ – „Aber haben sie denn nicht GEBEICHTET?“ fragte ich.

„Sicher haben sie gebeichtet; aber die Sünden gegen die Reinheit haben sie SCHLECHT GEBEICHTET oder sogar GANZ VERSCHWIEGEN. Zum Beispiel es hat einer eine solche Sünde vier- oder fünfmal begangen; er beichtet aber zwei- oder dreimal. Manche haben eine solche Sünde in ihrer Kindheit (Jugend)getan und haben sie aus Scham nie gebeichtet und nicht alles gesagt. Andere hatten keine Reue und keinen Vorsatz. Einige, anstatt richtig zu bekennen, überlegten sogar, wie sie den Beichtvater TÄUSCHEN können. Wer in einer solchen Verfassung stirbt, der begibt sich selber unter die Zahl der VERDAMMTEN, und zwar für die ganze Ewigkeit. Nur diejenigen, welche aus ganzem herzen bereuen, sterben in der Hoffnung auf das ewige Heil und werden auf ewig glücklich sein.

„Willst du noch sehen, warum dich die göttliche Barmherzigkeit hierher geführt hat?“ (über die göttliche Barmherzigkeit, siehe auch Offenbarungen Jesu an Schwester Faustina Kowalska)

„Er hob den Schleier, und ich sah eine Gruppe Knaben aus dem Oratorium. Ich kannte sie alle. Wegen dieser Sünde wurden sie verdammt. Unter ihnen waren einige, die sich jetzt nur scheinbar gut führen. „Wenigstens lass mich jetzt die Namen dieser Jungen aufschreiben, damit ich sie besonders ermahnen und zurechtweisen kann“, bat ich.

„Ist nicht nötig“, sagte er.

„Was soll ich ihnen denn sagen?“

„Predige überall gegen die ZUCHTLOSIGKEIT. Es genügt, wenn man sie im allgemeinen aufmerksam macht. Vergiss auch nicht, dass die Jungen, wenn du mit ihnen redest, wohl leicht versprechen, aber nicht immer mit festem Vorsatz. Dazu ist nämlich die Gnade Gottes notwendig, die aber deinen Jungen niemals fehlen wird, wenn darum gebeten wird. Der liebe Gott zeigt seine Allmacht ganz besonders im Erbarmen und Verzeihen. Du musst also beten und opfern. Die Jungen sollen deine Unterweisung achten und ihr Gewissen fragen. Es wird ihnen sagen, was sie tun müssen.“

Dann sprachen wir fast eine halbe Stunde lang über die notwendige Voraussetzungen für eine gute Beichte. Dabei sagte der Führer verschiedene Male mit eindinglicher Stimme: „Avertere!... Avertere !!“ – „Was soll das heißen?“ fragte ich. „DAS LEBEN ÄNDERN, DAS LEBEN ÄNDERN!“

Ich war ganz verwirrt von diesen Enthüllungen, senkte den Kopf und wollte mich zurückziehen. Er rief mich aber und sagte: „Du hast noch nicht alles gesehen.“ Dabei wandte er sich nach einer anderen Seite und zog wieder den Vorhang hoch. Auf dem stand geschrieben. „Qui volunt divites fieri, incidunt in tentationem at laqueum diaboli “(Die reich werden wollen, geraten in Versuchung und in die Schlinge des Teufels) I. Ti. 6,9. Ich las es und sagte: „Das passt nicht auf meine Jungen; denn sie sind arm, genau wie ich auch. Wir sind nicht reich und trachten auch nicht danach, es zu werden. Daran denken wir nicht einmal. „Der Schleier wurde gelüftet, und ich sah im Hintergrund eine Anzahl, die ich kannte. Sie litten wie diejenigen, die wir zuvor gesehen hatten. Der Führer deutete auf sie und sagte: „Oh, die Inschrift gilt auch für deine Jungen.“

„Erklärte mir das, divittes’ (reich).“

Und er sagte: „Zum Beispiel haben einige deiner Jungen ihr Herz an einen materiellen Gegenstand gehängt, und diese Anhänglichkeit hindert sie an der Liebe zu Gott. Sie fehlen deshalb gegen die Nächstenliebe, die Frömmigkeit und Sanftmut. Man kann das Herz nicht durch den Gebrauch der Reichtümer verderben, sondern auch durch die Begierde danach, um so mehr, als dieses Trachten die Gerechtigkeit verletzt. Zwar sind deine jungen arm; aber wisse, dass die Sucht, gut zu essen und zu trinken, und der Müßiggang sehr schlechte Ratgeber sind. Einige Jungen hast du, die in ihrer Heimat gestohlen haben, manchmal sogar beträchtlich. Sie denken aber nicht an Rückerstattung, obwohl sie diese leisten könnten. Manche bemühen sich, mittels eines Dietrichs die Vorratskammer zu öffnen. Es wird sogar versucht, in die Zimmer des Präfekten und des Ökonoms einzudringen. Sie durchsuchen die Koffer der Kameraden, um Esswaren, Geld oder andere Dinge zu stehlen. Sie bringen Hefte und Bücher auf die Seite …“ Er nannte mir auch die Jungen und fuhr fort: „Einige sind hier, die haben sich aus der Innentür des Oratoriums Kleidungsstücke, Wäsche, Decken und Mäntel angeeignet, um sie nach Hause zu schicken. Manche sind hier, weil sie andern absichtlich einen schweren Schaden zugefügt haben; wieder andere, weil sie Geliehenes nicht zurückgegeben haben. Es sind auch welche hier, weil sie das Geld, das sie dem Obern abgeben sollten, für sich zurückbehalten haben.“ Dann sagte er noch: „Da diese dir nun gezeigt wurden, mache sie auf ihre Fehler aufmerksam. Sage ihnen, sie sollen die unnötigen und schädlichen Wünsche zurückweisen, dem Gesetz Gottes gehorchen und auf die Ehrlichkeit sehr bedacht sein, sonst wird ihre Begierlichkeit sie zu schlimmen Ausschweifungen drängen, die sie in Leiden, Tod und Verderben stürzen.“

Ich konnte mir nicht erklären, warum für gewisse Dinge, die unsere Jungen für so gering ansehen, ihnen so schreckliche Strafen bevorstünden. Aber der Freund durchkreuzte meine Betrachtungen und sagte: „Erinnere dich an das, was dir bei den verdorbenen Trauben am Weinstock gesagt wurde! (Viele dieser Sünden sind an und für sich noch nicht schwer, aber sie sind dennoch der Anfang und Ursache schrecklichen Versagens und ewigen Verlorenseins. Qui spernit modica paulatim decidet).

Nun hob er einen anderen Schleier empor, der viele andere Jungen verdeckte. Ich kannte sie alle; sie sind im Oratorium. Auf dem Schleier stand geschrieben: „Radix omnium Malorum“ – (Die Wurzel alles Bösen!) Er fragte mich: „Was heißt das? Welche Sünde ist damit gemeint?“ – „Mir scheint nichts anderes als der Stolz.“ – „Nein, sagte er.“ – „Ich habe immer gehört, der Stolz sei die Wurzel aller Sünden.“ – „Ja, im allgemeinen sagt man, dass es der Stolz sei; aber welches war denn die erste Sünde bei Adam und Eva im besonderen? Warum wurden sie aus dem Paradies vertrieben?“

„Es war Ungehorsam.“

„Jawohl, und der Ungehorsam ist die Wurzel aller Übel.“

„Was soll ich meinen Jungen davon sagen?“

„Pass auf. Die Jungen, die du hier siehst, sind die Ungehorsamen. Sie sind auf dem Wege, sich ein sehr beklagenswertes Ende zu bereiten. Die und die, von denen du meinst, sie wären am Schlafen, stehen nachts auf und gehen im Hof spazieren. Sie kümmern sich nicht um Verbote und gehen hin, wo es gefährlich ist. Sie klettern auf den Gerüsten von Neubauten herum und bringen dabei ihr Leben in Gefahr. Einige gehen wohl, der Hausordnung entsprechend, in die Kirche; aber sie tun dort nicht, was sie tun sollen, sondern denken etwas ganz anderes. Sie bauen in ihren Träumereien Luftschlösser und stören die anderen. Einige suchen sich einen bequemen Platz zum Anlehnen und Gemütlichmachen, um während des Gottesdienstes zu SCHLAFEN. Von manchen nimmst du an, sie gingen in die Kirche; sie gehen aber nicht hinein. Wehe dem, der das Gebet vernachlässigt! WER NICHT BETET, DER WIRD VERDAMMT! Einige, anstatt mitzusingen oder das kleine Offizium zu beten, lesen etwas ganz anderes als Gebetbücher, und gewisse sollten sich schämen, denn sie lesen sogar verbotene Bücher.“ Er nannte noch andere Übertretungen des Gehorsams, die ernste Unordnungen verursachen. Als er zu sprechen aufgehört hatte, sah ich ihn ganz erschüttert an. Er schaute auch mich an, und ich fragte ihn noch. „Kann ich all dies meinen Jungen erzählen?“ – „Ja, du kannst ihnen alles sagen, was dir wieder einfällt.“ – „Was für einen Rat soll ich ihnen geben, damit solche schwere Unordnungen nicht wieder vorkommen?“ – „Schärfe ihnen immer wieder ein, dass auch in Kleinigkeiten der Gehorsam gegen Gott, die Kirche, die Eltern und die Oberen sie retten wird.“

„Und was sonst noch?“

„Sage deinen Jungen, dass sie sich sehr vor dem Müßiggang hüten sollen. Das war die Ursache zur Sünde Davids. Sag ihnen, sie sollen sich immer beschäftigen, dann hat der Teufel keine Zeit, sie zu bedrängen.“ Ich senkte den Kopf und versprach, es zu berichten.

Ich war von all dem Schrecken, das ich gesehen hatte, ganz erschöpft und wandte mich an meinen Freund: „Ich danke dir für deine Güte, die du mir gezeigt hast, und bitte dich, mich wieder hinauszulassen. „Er sagte: „Komm mit!“, machte mir Mut, nahm mich bei der Hand und stützte mich, den ich war ganz matt. Als wir aus dem Saal heraus waren, durcheilten wir in einem Augenblick den grauenvollen Hof und den langen Gang, durch den wir hereingekommen waren. Ehe wir über die Schwelle des letzten Bronzetores gingen, wandte er sich zu mir und sagte: „Du hast die Qualen bei anderen gesehen; nun musst du die Hölle auch etwas fühlen.“

„Nein, nur nicht!“ rief ich erschreckt.

Er bestand aber darauf, doch ich weigerte mich immerzu.

„Du brauchst keine Angst zu haben; komm und probier nur etwas. Fass mal diese Mauer an.“

Ich hatte keinen Mut dazu und wollte mich davonmachen. Er hielt mich aber fest und sagte: „Und doch musst du es spüren!“ Dabei fasste er mich resolut am Arm und zog mich zur Mauer.“

„Berühre sie doch nur ein einziges Mal; nur damit du sagen kannst, du wärst in den Mauern der ewigen Qual gewesen und hättest sie angefasst. Dann kannst du verstehen, wie heiß die innere Mauer sein muss, wenn die äußerste schon so schrecklich ist. Siehst du diese Mauer?“ Ich betrachtete die Mauer mit größerer Aufmerksamkeit. Sie war äußerst dick. Der Führer fuhr fort: Das ist nun die tausendste Mauer, ehe man zum ewigen und eigentlichen Feuer der Hölle kommt. Tausend Mauern schließen es ein. Jede Mauer ist tausend Maßeinheiten dick und tausend Maßeinheiten von der nächsten entfernt, und jede Maßeinheit ist tausend Meilen lang. Diese Mauer ist eine Million Meilen vom wirklichen Feuer der Hölle entfernt und erst ein kleiner Anfang der wirklichen Hölle.

Als er das gesagt hatte, zog ich mich wieder zurück, um die Wand nicht zu berühren. Da nahm er meine Hand, öffnete sie mit Gewalt und brachte sie an die Steine dieser tausendsten Mauer. In dem Augenblick fühlte ich ein so intensives und schmerzliches Brennen, dass ich zurücksprang. ICH STIESS EINEN LAUTEN SCHREI AUS UND ERWACHTE DAVON. Ich fand mich in meinem Bette sitzend, und es war mir, als brenne meine Hand. Ich rieb sie mit der anderen, um die Empfindung zu vertreiben. Als es morgen wurde, sah ich, dass die Hand tatsächlich GESCHWOLLEN war. Der eingebildete Eindruck dieses Feuers hatte eine solche Kraft, dass sich in der Folge die Haut der Handinnenfläche abschälte und neu wurde. – Ihr müsst wissen, dass ich euch diese Dinge nicht in der ganzen Furchtbarkeit erzählt habe, so wie ich sie sah und wie sie auf mich Eindruck gemacht haben, um euch nicht so sehr zu erschrecken. Wir wissen, dass der Herr nur in Bildern von der Hölle spricht. Wenn er sie uns beschrieben hätte, wie sie ist, dann würden wir nichts verstanden haben. Kein Sterblicher kann diese Dinge begreifen. Gott kennt sie und kann sie mitteilen, wem er will. Mehrere Nächte darauf war ich immer noch verstört und konnte von diesem Schrecken nicht schlafen. Ich habe euch nur in kurzem erzählt, was ich in sehr langen Träumen gesehen habe. Ich habe vieles ganz kurz zusammengefasst. Später werde ich euch noch Belehrungen halten über die Menschenfurcht, sowie das, was das sechste und siebte Gebot betrifft und über den Stolz. Ich werde nichts anderes tun, als diese Träume zu erklären; denn sie sind in Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift, ja sie sind gewissermaßen nur ein Kommentar zu dem, was man dort über diese Dinge liest.“

- Don Bosco erzählte diese Vision nicht nur in Turin, sondern auch in Mirabello und in Lanzo. Seinen Priestern und Klerikern sagte er in vertraulichen Gesprächen noch mehr davon, was er vor allen Jungen nicht erzählte. Bei der Beschreibung der Schlingen gab er einen neuen Begriff von Hinterlist des Teufels und von seiner Art, die Opfer in die Hölle zu ziehen. Er sprach in dem Zusammenhang von schlechten Gewohnheiten.

 

- Inhaltsverzeichnis >

- Anna Katharina Emmericks Visionen über Fegfeuer und Hölle >

- Satanismus: Vier Jahre Hölle und zurück >

- Wer ist Harry Potter? >

- Aus den Wasserhähnen floss Menschenblut...>

- Der heilige Pfarrer von Ars und die Verfolgungen Satans >

- Start >

- Home >

Wie beichte ich richtig?